BDZV und das Berliner KI-Unternehmen Retresco legen einen Bericht vor, der die Rolle der künstlichen Intelligenz in deutschen Redaktionen analysiert. Der KI-Reifegrad-Report, erhoben zwischen April und Juni 2024, zeigt die Verbreitung generativer Lösungen – darunter auch KI-Video-Generierung – und skizziert Auswirkungen auf redaktionelle Strategien, Medienproduktion und Publikumserreichung.
Die Studie basiert auf einer Online-Befragung von 39 Geschäftsführer:innen, Chefredakteur:innen und Entscheidungsträger:innen aus Verlagen und Publishern. Sie beantwortet, welche Tools genutzt werden, wie der Reifegrad eingeschätzt wird und welche organisatorischen Maßnahmen nötig sind, um KI in der redaktionellen Praxis produktiv und verantwortbar zu verankern.
KI-Video-Generierung und aktuelle Nutzung in Redaktionen
Der Report dokumentiert, dass 85 Prozent der Befragten generative KI bereits in der redaktionellen Praxis einsetzen. Dabei ist die Nutzung jedoch ungleich verteilt: Im Textbereich geben 68 Prozent an, KI für mehr als ein Viertel ihrer textbezogenen Arbeiten zu verwenden.
Medienproduktion und Anwendungsfelder der Inhaltsgenerierung
Für visuelle Formate bleibt die Verbreitung geringer: 34 Prozent nutzen KI für mehr als ein Viertel ihrer Bildproduktion, 18 Prozent im Videobereich und 16 Prozent bei Audio. Dennoch wächst das Interesse an KI-Video-Generierung als Werkzeug, um schnelle Clips für Social Media zu erstellen oder Rohmaterial automatisiert zu schneiden.
Redaktionen nutzen KI vor allem als Assistenz: 97 Prozent sehen in der Technik Zeitersparnis, und 47 Prozent berichten von einer Verbesserung der inhaltlichen Qualität. Diese Zahlen unterstreichen, dass Automatisierung und kreative Unterstützung Hand in Hand gehen.

Strategien, Technologieintegration und organisatorische Voraussetzungen
Der Report betont, dass Technik allein nicht ausreicht. Nur 40 Prozent der Medienhäuser haben eine:n klare:n KI-Verantwortliche:n benannt. Gleichzeitig bewerten 41 Prozent ihren KI-Reifegrad mit nur zwei von fünf Punkten – ein Hinweis auf großen Optimierungsbedarf.
Automatisierung, Richtlinien und Medienethik
Sieben von zehn Medienhäusern haben inzwischen eigene KI-Richtlinien eingeführt; im Vorjahr waren es nur zwei von zehn. Bei 57 Prozent dieser Häuser sind die Richtlinien öffentlich zugänglich. Diese Entwicklung spiegelt die wachsende Bedeutung von Medienethik und der Einhaltung regulatorischer Vorgaben wie dem EU AI Act.
Die Autor:innen des Reports fordern strategische Einbettung: Schulungen, Zugänglichkeit der Systeme und klare Governance sollen Vorbehalte abbauen – 61 Prozent der Befragten sehen Weiterbildung als Schlüssel zur Akzeptanz. Holger Kansky (BDZV) und Johannes Sommer (Retresco) betonen, dass nur mit personellen Strukturen und klaren Vorgaben das Potenzial von KI vollständig genutzt werden kann.
Auswirkungen auf Publikumserreichung und journalistische Innovation
Generative Systeme eröffnen neue Wege der Publikumserreichung und der Personalisierung. KI-gestützte Analysen helfen, Themen zu identifizieren und Inhalte zielgenauer auszuspielen.
Chancen, Risiken und die Rolle journalistischer Innovation
Die Mehrheit der Befragten (79 Prozent) stuft generative KI als entscheidenden Faktor für künftige redaktionelle Arbeit und die Wettbewerbsfähigkeit ein. Trotz positiver Erwartungen haben bislang nur 13 Prozent Metriken eingeführt, die Produktivitäts- oder Umsatzeffekte durch KI messen. Das zeigt eine Lücke zwischen Ambition und operativer Umsetzung.
Risiken bleiben relevant: Qualitätsverlust, Urheberrechtsfragen und mögliche Arbeitsplatzverschiebungen verlangen transparente Prozesse und menschliche Endkontrolle. Die Studie macht klar, dass journalistische Innovation nicht den Verzicht auf ethische Standards bedeuten darf. Die Herausforderung besteht darin, Automatisierung und redaktionelle Verantwortung auszubalancieren.
Der KI-Reifegrad-Report liefert für Medienmachende konkrete Daten und Handlungsempfehlungen: Wer Technologieintegration strategisch gestaltet, Schulungen bereitstellt und klare Richtlinien setzt, erhöht seine Chancen, dass künstliche Intelligenz zur nachhaltigen Stütze von Effizienz und kreativer Inhaltsgenerierung wird.





