Forscher der Freien Universität Berlin warnen, dass Krypto längst nicht mehr nur ein Nischenphänomen ist, sondern sich zu einer unsichtbaren Schicht im globalen Finanzsystem entwickelt hat. Eine Studie von Christopher Olk und Louis Miebs, veröffentlicht 2025 im Review of International Political Economy, konstatiert, dass insbesondere Stablecoins und zentralisierte Handelsplätze Kreditfunktionen übernommen haben – mit Folgen für Regulierung, Stabilität und das Verhältnis zwischen Staat und digitaler Wirtschaft.
Die Forschung fasst zusammen: Aus ursprünglich dezentraler Idee wurde faktisch ein kreditbasiertes System, das Liquidität schafft und Konvertibilität zu staatlichem Geld ermöglicht, jedoch meist außerhalb traditioneller Aufsicht. Damit steht die Politik vor der Frage, wer in Zukunft Geld schafft und nach welchen Regeln.
Wie Stablecoins und Börsen zu einer unsichtbaren Schicht des Systems wurden
Die Studie setzt den Ausgangspunkt bei den Krisen von 2022: der Zusammenbruch von TerraUSD und der Börse FTX zeigte, wie zentralisierte Plattformen ohne bankähnliche Aufsicht in Stresslagen in klassische Bank-Run-Szenarien rutschen können.
Olk und Miebs argumentieren, dass viele Stablecoins heute als «Schatten-Geld» fungieren: Sie bieten Preisstabilität und Konvertierbarkeit, ohne staatliche Deckung. Diese Instrumente übernehmen damit Funktionen der Geldwirtschaft in regulatorischen Grauzonen und erzeugen systemische Verflechtungen, die Milliardenwerte gefährdeten. «Das Gegenteil ist eingetreten: Die Krypto-Sphäre wird heute dominiert von Schattenbanken», so Christopher Olk.
Die Erkenntnis: Krypto agiert nicht isoliert von Banken, sondern bildet eine parallele, schwer sichtbare Schicht der Liquiditätsversorgung. Dieses Insight ist entscheidend für die Bewertung künftiger Risiken.

Regulierung, Politik und institutionelle Integration als Treiber
Politische Entscheidungen und institutionelle Integration verstärken die Entwicklung. Während Aufseher wie die Bafin und internationale Gremien Warnsignale senden, treiben politische Unterstützungen und der Marktzugang für Banken die Verflechtung voran.
Die Autoren verweisen auf zwei mögliche Wege: Entweder Staaten regulieren die neuen Geldformen ähnlich wie Banken und geben ihnen damit Legitimität, oder diese Formen bleiben unreguliert und damit systemische Risikozonen. Beobachter sehen bereits verstärkte Lobbyarbeit und regulatorische Debatten in der EU und den USA.
Lesern, die die regulatorischen Details vertiefen wollen, bietet eine Analyse zu Banken und Stablecoins eine aktuelle Übersicht über die politischen Rahmenbedingungen. Parallel diskutieren Experten die Anpassung von Zahlungsinfrastruktur, siehe Krypto-Zahlungsinfrastruktur und SWIFT, die technische und institutionelle Schnittstellen beleuchtet.
Politische Debatten und die Rolle internationaler Aufseher
Internationale Gremien wie der Financial Stability Board haben 2025 auf die wachsende Verflechtung hingewiesen und angekündigt, Kryptomärkte besonders zu beobachten. Diese Debatten prägen, ob Transparenz und Sicherheit künftig verpflichtende Merkmale der Branche werden.
Das Ergebnis ist ein politischer Wendepunkt: Regulierung könnte dem Krypto-Segment neue Stabilität verleihen oder – bei Ausbleiben – weitere Krisen wahrscheinlicher machen. Diese Ambivalenz bleibt ein zentrales Thema.
Folgen für Banken, Investoren und die Funktion digitaler Währungen
Für Geschäftsbanken und Vermögensverwalter bedeutet die Integration in Krypto-Märkte erhöhte Ansteckungsgefahr. Ökonomen warnen davor, dass erhebliche Kryptopositionen bei einem Platzen der Märkte Spillover in das traditionelle Finanzsystem auslösen können.
Gleichzeitig zeigt sich: Technologien wie Blockchain und Prinzipien der Dezentralisierung fördern Innovationen in Zahlungsverkehr und digitale Währung, schaffen aber auch Ambivalenzen zwischen technischer Möglichkeitsraum und realer Finanzstabilität.
Auswirkungen auf Wertaufbewahrung, Transparenz und Sicherheit
Stablecoins versprechen Wertaufbewahrung und schnelle Konvertierung, sind aber ohne klare Einlagensicherung anfällig. Die Studie betont, dass erhöhte Transparenz in den Bilanzen zentralisierter Plattformen sowie strengere Aufsicht die zentralen Hebel zur Risikoreduktion sind.
Fazit: Die Entwicklung hin zu einer unsichtbaren, kreditbasierten Schicht ist bereits fortgeschritten und verlangt eine klare politische Antwort. Die nächsten Schritte der Regulierer und der Finanzbranche werden entscheiden, ob Krypto langfristig als regulierte Finanzinnovation integriert wird oder die nächste Krise entfacht.





